Mittwoch, 2. Mai 2012

Schubert: Wanderer Fantasy, Impromptus opp. 90 & 142 (Cavi-Music)

"Soll doch der Teufel dieses Zeug spielen", soll Franz Schubert - der nicht gerade als schwacher Pianist galt - einst gesagt haben, als er feststellte, dass ihm seine Fantasie C-Dur, bekannt auch als Wanderer-Fantasie, technisch ziemlich an- spruchsvoll geraten war. Das Fina- le klingt mit seinen Oktav- und Akkordpassagen, Tremoli und Fluten von Arpeggien schon nach Liszt. Und dieser war in der Tat von dem Werk schwer beein- druckt; es gehörte zu seinen Paradestücken, und beeinflusste auch Liszts kompositorisches Schaffen. 
Viviana Sofronitzkaja, die Tochter des legendären Wladimir Sofro- nitzki, hat jetzt die Wanderer-Fantasie auf einem Fortepiano einge- spielt. Das Hammerklavier ist ein Nachbau aus der Werkstatt Paul McNultys; das Original, angefertigt 1819 von dem berühmten Wiener Klavierbauer Conrad Graf (1782 bis 1824), befindet sich auf Schloss Kozel bei Pilsen. Dieses Instrument klingt klar und schlank, nicht so voluminös wie moderne Flügel, und sein Bass ist auch nicht so dominant. Sofronitzkaja nutzt die Eigenheiten des Hammerklaviers geschickt, um zwischen Dramatik und biedermeierlicher Innerlichkeit zu vermitteln. 
So vereint diese Aufnahme die Stärken des Originalklanges und die pianistische Brillanz der Solistin, die sich durchaus nicht scheut, Akzente zu setzen und Virtuosität herauszustellen - allerdings nicht als Pose, sondern stets Schubert und seinem großen Werk zugewandt. So hört man auch die in zwei Vierergruppen überlieferten Impromp- tus neu. Eine spannende CD, die Maßstäbe setzt. 

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