Dienstag, 28. März 2017

Besuch im Zoo (Genuin)

Besuch im Zoo“ gehörte einstmals, als wir noch Kinder waren, zu unseren absoluten Lieblingsplatten. Pony Hopp, Teddy Brumm, der auf einem Bein stehende Storch und der Elefant, der das Trompetensolo zum Tierkonzert besteuern kann, waren unsere Favoriten unter den vielen, vielen humorvollen Tierliedern. Hans Sandig (1914 bis 1989), der Gründer des Leipziger Rundfunk-Kinder- chores, hat diese Zookantate seiner- zeit für dieses Ensemble auf Texte von Richard Hambach komponiert. (Und wer den Leipziger Zoo kennt, der weiß, welch großartiges Vorbild er dabei vor Augen hatte.) 
Mit „seinem“ Rundfunk-Kinderchor hat Sandig das Werk dann natürlich auch eingespielt. Nun wagte sich der Nachfolger, der MDR Kinderchor, an eine Neueinspielung der Kantate. Es singt der Nachwuchschor 2 unter Leitung von Wieland Lemke – und man muss leider feststellen, dass diese Aufnahme an das Sandig-Original nicht heranreicht. Das ist alles ein wenig zu brav und farblos geraten, und die Balance zwischen den kleinen Sängern und Sprechern und dem Instrumentalensemble „Tierisch musika- lisch“ stimmt ebenfalls nicht; die Musiker sind mir zu laut. Schade! 
Ergänzt wird das Programm durch die Weltersteinspielung von Hans Sandigs später Winterkantate nach Texten von Christian Morgenstern, gesungen vom Konzertchor, also den älteren und bereits erfahrenen Mitgliedern des MDR Kinderchores, unter Leitung von Ulrich Kaiser. Am Klavier begleitet werden die jungen Sängerinnen und Sänger von Christian Otto, und Wieland Lemke ist hier mit einem Bariton-Solo zu hören. Auch wenn die Vertonungen nur ein- bis zweistimmig sind, so sind sie doch keineswegs simpel. Denn Sandig setzte in seinem Morgenstern-Zyklus auf eine relativ moderne Tonsprache. Dem Konzertchor bereitet dies keine Probleme – und das ist eindeutig der spannendere Teil dieser CD. 

"Les Bis" de Georges Athanasiadès (Tudor)

Georges Athanasiadès, Jahrgang 1929, wirkt seit vielen Jahren in der Abtei Saint-Maurice. Dieses Kloster der Augustiner-Chorherren, es befindet sich im Kanton Wallis in der Westschweiz, gilt als das älteste Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung existierte – 2014/15 feierte es sein 1500jähriges Bestehen. Als Priester unterrichtete Athanasia- dès lange am dortigen Gymnasium. 
Doch er ist nicht nur Germanist und Theologe, er hat in Lausanne auch Musik studiert und sein Solisten- diplom mit Auszeichnung absolviert. Als Organist der Stiftsbasilika Saint-Maurice musiziert Athanasiadès nicht nur im Gottesdienst; er gibt zudem weltweit Konzerte, engagiert sich für den musikalischen Nachwuchs und ist ein gefragter Berater, wenn es um Neubau und Restaurierung von Orgeln geht. 
Auf dieser CD präsentiert er nun seine Lieblingszugaben: „Une très longue carrière de concertiste m'a suggéré de grouper un certain nombre de mes encores sous le titre ,Les Bis'“, schreibt Athanasiadès. In seinem Begleit- wort zu dieser CD verweist er auf die Geschichte der Orgel, die ja keines- wegs schon immer ihren Platz im sakralen Raum hatte. Und auch heute wird auf diesem Instrument nicht nur genuin geistliche Musik gespielt; der Farbenreichtum und der orchestrale Charakter des Orgelklanges laden geradezu dazu ein, auch beispielsweise Orchestermusik vorzutragen. 
Und so steht auch hier beispielsweise Jesus bleibet meine Freude von Johann Sebastian Bach neben dem Pilgerchor aus der Oper Tannhäuser von Richard Wagner, und die Sonate facile KV 545 von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt neben drei Préludes von Frédéric Chopin – arrangiert ebenso wie Wagners Pilgerchor für Orgel übrigens von Franz Liszt. Herzlich tut mich verlangen von Johannes Brahms spielte der Organist an der Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen in Bayern; ansonsten ist die Große Orgel der Stiftsbasilika zu hören. Dieses facettenreiche Instrument, eingeweiht 1950, stammt von der Orgelbau Th. Kuhn AG, Männedorf im Kanton Zürich. Es verfügt über 56 Register auf drei Manualen und Pedal.