Montag, 20. November 2017

The Violin & the Mandolin: Accomplices and Rivals (Concerto)

Das Ensemble Baschenis stellt auf dieser CD Werke von zwei Virtuosen vor, die Musik für Mandoline komponiert haben. Die Manuskripte, auf denen diese Aufnahmen beruhen, stellte die Gesellschaft der Musik- freunde in Wien zur Verfügung. 
Giovanni Hoffmann gehörte offensichtlich in Wien am Ende des 18. Jahrhunderts zu den besten Mandolinisten. Es wird vermutet, dass er eigentlich Johann Hoffmann hieß; ansonsten ist über seinen Lebensweg reinweg gar nichts bekannt. Auf dieser Doppel-CD erklingen vier Divertimenti für Mandoline, Violine und Basso continuo, die er geschaffen hat. 
Giovanni Francesco Giuliani (1760 bis 1818) war ein Schüler von Pietro Nardini. Er war Geiger, Harfenist, Cembalist und Gesangslehrer, und wirkte in Florenz. Das Ensemble Baschenis hat für dieses Musikprojekt sechs Quartette ausgewählt, die mit Mandoline, Violine, Violoncello und Theorbe besetzt sind. 
Zu hören sind dabei jeweils zwei lombardische Mandolas und zwei neapolitanische Mandolinen, virtuos gespielt von Marco Luca Capucci. In die Geigenparts teilen sich Ruggero Fededegni und Enrico Groppo. Alessandra Milesi spielt das Violoncello, Giorgio Ferraris die Theorbe. 
Und man muss sagen, Giulianis Quartette sind wirklich ausgesprochen reizvoll; in diesen Stücken sind Violine und Mandoline Komplizen – und ihr gemeinsames Anliegen, die Hörer gut zu unterhalten, verwirklichen sie bravourös. 

Molter: Concertos for Trumpets & Horns (Accent)

Von Italien ließ er sich inspirieren – doch die längste Zeit seines Lebens verbrachte Johann Melchior Molter (1696 bis 1765) in Karlsruhe: 1717 trat er als Geiger in den Dienst Karl Wilhelms von Baden-Durlach. Dieser erkannte das Potential des jungen Musikers und schickte ihn 1719 zur Weiterbildung nach Italien. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der Markgraf 1722 zum Hofkapell- meister. Allerdings wurde die Hofkapelle 1733 aufgelöst, so dass Molter nach Eisenach zurückkehrte, wo er einst als Knabe das Gymnasium besucht hatte, und wo er 1734 ebenfalls als Hofkapellmeister angestellt wurde. 
Nach dem Tod seiner Frau 1737 erhielt Molter erneut die Gelegenheit zu einer Reise nach Italien. Schon ein Jahr später kehrte er allerdings zurück, um nach dem Tode des Markgrafen in Karlsruhe die Trauermusik zu leiten. Danach trat er seinen Dienst in Eisenach wieder an. 
Als sein Dienstherr dort 1741 ohne Erben starb, wurden die Musiker der Hofkapelle gekündigt. Molter kehrte nach Karlsruhe zurück. Nachdem dann Markgraf Karl Friedrich, Enkel und Nachfolger Karl Wilhelms, die Volljährigkeit erlangt und die Herrschaft angetreten hatte, belebte er auch die Hofmusik wieder – und Molter leitete sie, hochgeehrt, bis an sein Lebensende. 
Aus dem umfangreichen Schaffen des Musikers – er schrieb allein etwa hundert Konzerte für die unterschiedlichsten Solo-Instrumente – präsentiert das Ensemble Musica Fiorita gemeinsam mit Jean-François Madeuf auf dieser CD eine ebenso ansprechende wie anspruchsvolle Auswahl. Zwar werden dazu lang nicht soviel Musiker aufgeboten, wie einst in der Hofkapelle des Markgrafen von Baden-Durlach wirkten. Aber dafür spielen sie ganz wunderbar Instrumente aus jener Zeit, vom Chalumeau bis zur Theorbe. 
Und obwohl einige der Konzerte Freunden der Trompetenmusik gut bekannt sind, ist dies die erste Aufnahme, wo sie tatsächlich mit Naturtrompeten gespielt werden – hier erklingen keine Piccolotrompeten, und auch keine modernisierten „Barocktrompeten“ mit Intonations- löchern, betont Madeuf: „Pour le concerto en solo et la sonata grossa, j'ai même utilisé un instrument original de Johann Wilhelm Haas (Nürnberg, XVIIIe siècle) et mes collègues, des instruments similaires copiés du même modèle et réalisés par Markus Raquet, à Bamberg (2005).“ Auch die Hörner sind Nachbauten von Barock-Originalen, so Madeuf, angefertigt und für diese Einspielung zur Verfügung gestellt durch die Firma Egger aus Basel. 
Barock sind die Klangfarben, und barock sind auch die üppigen Auszierungen, mit der die Musiker so manchen dieser Konzertsätze gestaltet haben. Es ist kaum zu glauben, wie virtuos die Blechbläser auf diesen Instrumenten musizieren; die Solo-Partien wären auch für moderne Trompeten, mit Ventilen, durchaus noch anspruchsvoll. Und die Sinfonia für zwei Jagdhörner, Streicher und Basso continuo wirkt wie ein Gruß nach Mannheim; nicht nur hier verweist Molters Musik bereits auf die Klassik. Jean-François Madeuf ist hier gemeinsam mit Musica Fiorita eine prächtige Einspielung gelungen, die Maßstäbe setzt. Großartig!