Dienstag, 21. Februar 2017

23. Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung (Naxos)

Ein Festival der schönsten Stimmen erleben und zugleich die Arbeit der Deutschen Aids-Stiftung unterstützen – dazu lädt alljährlich im Spätherbst die Deutsche Oper Berlin ein. Wer keine Gelegenheit hatte, 2016 die festliche Operngala mitzuerleben, der kann sich nun den Live-Mitschnitt dieser Veranstaltung anhören. Die 23. Operngala, dokumentiert einmal mehr bei Naxos, kann immer noch überraschen. So gelingt es Max Raabe in seiner Moderation, Opernhandlungen in Kürzestform zusammmenzufassen – mit bewährt staubtrockenem Humor. Er setzt damit eine Tradition fort, die sein hochverehrter Amtsvorgänger Vicco von Bülow,  bekannter unter seinem Künstlernamen Loriot, einst begründet hat. 
Große Stars sind in diesem Jahr nicht unter den Mitwirkenden; man muss aber feststellen, dass die Sängerinnen und Sänger wirklich gut sind. Und unter den ausgewählten Arien findet sich Populäres, wie die berühmte Auftrittsarie des Figaro aus dem Barbier von Sevilla, gesungen von Mattia Olivieri, neben weniger Bekanntem, wie dem Duett Au fond du temple saint aus Georges Bizets Oper Die Perlenfischer, vorgetragen von Michael Spyres und Edwin Crossley-Mercer. Zu hören sind zudem Lise Davidson, Maria Kataeva, Teresa Iervolino und Patrizia Ciofi, Levy Sekgapane, Gezim Myshketa und Stefano La Colla. Generell dominieren die Männerstimmen diesmal in dem sorgfältig zusammengestellten Programm. 
Das Orchester der Deutschen Oper unter Leitung von Ivan Repušić eröffnet die Gala mit einer Ouvertüre von Ferdinand Hérold – eine Entdeckung; zwar ist die Ballettmusik des elsässischen Komponisten zu La Fille mal gardée heute noch sehr präsent, aber seine einst sehr erfolgreiche Oper Zampa gehört mittlerweile zumindest auf deutschen Bühnen zu den Rari- täten. Das Finale gestaltet traditionell der Chor der Deutschen Oper – mit Carl Orffs Carmina Burana endet die Operngala einmal mehr mitreißend. Das Programm insgesamt ist so umfangreich, dass es nicht auf eine CD passte. Und wer die Doppel-CD erwirbt, der erhöht damit zugleich die Spendensumme, die auf der Veranstaltung eingeworben wurde. Eine gute Gelegenheit also, gute Musik zu hören, und damit zugleich Gutes zu tun. 

Montag, 20. Februar 2017

Sølvguttenes favoritter (Lawo)

Der Sølvguttene Knabenchor aus Oslo wurde 1940 durch Torstein Grythe gegründet und von ihm auch viele Jahre erfolgreich musikalisch vorangebracht. Seit 2004 ist Fredrik Otterstad der Leiter des renommierten Ensembles, das zum norwegischen Medienhaus NRK gehört. Derzeit gehören etwa 130 Jungs und junge Männer dem Knabenchor an; etwa
90 von ihnen singen im Konzertchor. Sagenhafte 150 Auftritte bestreiten die Burschen alljährlich.

Sølvguttene geht regelmäßig auf Konzertreisen im In- und Ausland, und hat zahlreiche CD eingespielt. „Vi har ofte fått spørsmål fra publikum etter konserter om hvorvidt vi har kveldens repertoar på CD, og alt for ofte har svaret vært nei. Men nå er den her: Sølvguttenes egne favoritter. God fornøyelse!“, schreibt der Chor im Geleitwort zu seinem jüngsten Album.
Zu diesen Favoriten, die der Chor gern in seinen Programmen singt, gehö- ren neben Werken norwegischer Komponisten geistliche und weltliche Chorsätze aus aller Welt, beispielsweise das berühmte Ave verum corpus von Wolfgang Amadeus Mozart, Jesus bleibet meine Freude von Johann Sebastian Bach, das Cantique de Jean Racine von Gabriel Fauré oder der grandiose Hallelujah-Chor aus dem Messias von Georg Friedrich Händel.
Die jungen Choristen singen mit Elan. Allerdings erscheint die Chorleistung derzeit, nun ja, ausbaufähig. Lautstärke ist halt nicht alles. Dynamik bedarf auch einer gewissen Flexibilität, einer schnellen Reaktion auf die Vorgaben des Dirigenten; in diesem Falle vermisst man nicht zuletzt ein gepflegtes Piano. Und bei schnellen Passagen leidet die Homo- genität. Außerdem fällt neben den schönen Stimmen leider auf, dass die Intonation zum Ende so mancher Phrase hin abrutscht. Ein Genuss ist das nicht, schade!